22. August 2022 - Lena Kuder

Wo sind all die Hippies und Punks geblieben?

Jimi Hendrix, Jefferson Airplane und Richie Havens sprachen in den 1968er Jahren mit ihren Protestsongs vielen Menschen aus der Seele. Den gegen den Vietnamkrieg, Kapitalismus und Prüderie protestierenden Menschen verliehen sie mit ihrer Musik Mut, denn kraftvolle Worte in Liedtexten verbinden und stärken den Menschen den Rücken.

Um die politischen Statements verblassen zu lassen, berichteten die Mainstream-Medien über das 1969 zelebrierte Woodstock-Festival, indem sie nur das Bild von langhaarigen, zugedröhnten, nackten Hippies vermittelten. Dabei war Woodstock damals für viele, sich nach einer kulturellen und geistigen Revolution Sehnenden, der Inbegriff der Gegenkultur und des Protests.

Eine ähnliche Gegenkultur, die ihren Audruck im Punkrock fand, entstand Mitte der 1970er Jahre in London und New York. Geprägt von hoher Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Drogenkonsum, schwelte der Hass der jungen Menschen vor allem in den nordenglischen Industriestädten. Die Punk-Subkultur ist durch die Ablehnung bürgerlicher Werte und gesellschaftlicher Regeln sowie die Auflehnung dagegen bestimmt. The Clash gilt als eine der einflussreichsten frühen Punkbands neben anderen Gruppen wie den Ramones und den Sex Pistols.

Im Punk konnten die jungen Menschen ihre Verzweiflung, fehlenden Zukunftsperspektiven und Enttäuschung herausschreien. Oftmals richteten sich die Wortsalven gegen die Queen und die Iron Lady Margaret Thatcher, denn viele junge Engländer kritisierten Thatchers rigiden Kapitalismus und ihren Kampf gegen die Gewerkschaften.

Zwischen der Punkkultur und der heutigen Generation klafft eine riesige Lücke. Seit den 1990er Jahren wabern wir – und hier spreche ich von meiner Generation, die es nicht vermocht hat, eine Protestbewegung auszulösen – in einer sicheren, hedonistischen und egozentrischen Blase. Denn die Welt retten, können wir als einzelne ja eh nicht.

Wie bitte?! Das ist ja eben die Crux: Wir als einzelne … Ich finde, wir sollten von unserem individualistischen Lebensstil absehen und wieder näher zusammenrücken. Nun muss ja nicht jeder gleich Hippie oder Punk werden, um seinen Frust über die unsägliche Corona-Politik und deren Folgen herauszuschreien, aber ich vermisse unter den heutigen Musikern Ikonen, die mit ihren Songtexten den Kritikern eine Stimme verleihen könnten.

Es ist höchst peinlich, dass «Die Toten Hosen», einst Ikonen aus meiner Teenagerzeit, hinter den Geninjektionen stehen. Auf ihrer Website prangt ein grosses Foto mit dem Hashtag «Impfen schützt!». Auch der Liedermacher Reinhard Mey, eigentlich bekannt dafür, System und Autoritäten zu kritisieren, hat sich bis heute nicht kritisch über die Corona-Massnahmen geäussert. Nur als seine Konzerttournee verschoben werden musste, schrieb er, dass er «mit Bestürzung erfahren habe, dass seine Tournee aufgrund der Corona-Verordnungen und des Flickenteppichs aus unterschiedlichen Bestimmungen von einem Bundesland zum anderen nicht stattfinden kann».

Vor Xavier Naidoo möchte ich meinen Hut ziehen, denn er hat die «Pandemie» von Anfang an kritisch gesehen und seine Kommentare auch publik gemacht.

Erfreulich ist auch, dass die Sängerin Nena ebenfalls regelmässig ihre Kritik an der Corona-Politik geäussert hat. Eric Clapton hat in einem Video über seine schweren Impfnebenwirkungen gesprochen.

Wir sollten uns ein Beispiel an der Stuttgarter Produktionsfirma A-MAZE-ING nehmen. Musikern hat sie die Chance gegeben, ihre kritischen Corona-Songs bei ihnen produzieren zu lassen (wir berichteten). Die Initiative Protestnoten versammelt kritische Texte und Protestsongs von Musikern wie Captain Futuer, Rob T. Strass und Nina Proll.

Der Protest braucht eine stärkere Stimme. Wir brauchen eine neue Gegenkultur, die etwas bewegen und ihren Protest herausbrüllen will. Mit unseren Artikeln möchten wir zum kritischen Denken anregen und als Sprachrohr für Protestierende dienen. Eine kleine Spende hilft uns, diesen kritischen Geist wachzuhalten.

Herzlich

Lena Kuder

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