20. Januar 2022 - Konstantin Demeter

Vertrauen und Skepsis

Liebe Leserinnen und Leser, vertrauen ist eine unablässige Komponente unserer Sozialisierung und unserer Gesellschaft. Doch leider gibt es Menschen, die keine guten Absichten hegen – sonst bräuchten wir kein Strafgesetzbuch. Mein angeborenes Grundvertrauen in die Menschen allgemein wurde durch bittere Erfahrungen ausgetrieben. Ich musste lernen, dass das Leben eine heikle Gratwanderung zwischen Vertrauen und Skepsis ist.

Menschen, die keine guten Absichten haben, müssen andere manipulieren, um ihre Ziele zu erreichen (ausser, sie wenden gleich Gewalt an). Wenn sich dafür mindestens zwei Personen zusammenschliessen, ist es eine Verschwörung. Solche gibt es auch auf institutioneller Ebene, und die absoluten Profis darin sind die Geheimdienste. Unter diesen nimmt der israelische Aussengeheimdienst Mossad eine Spitzenposition ein.

Frauen sind selbstverständlich beliebte Köder der Geheimdienste, um Männer «einzufangen» und ihnen brisante Informationen zu entlocken. Doch der Mossad geht noch einen Schritt weiter und benutzt die Frauen auch indirekt, wie im folgenden Beispiel dargelegt. Der ehemalige Mossad-Agent Victor Ostrovsky offenbart in seinem Buch «By Way of Deception», wieviel Menschenkenntnis und Kreativität die Geheimdienste anwenden, um zu manipulieren.

Der irakische Nuklearwissenschaftler Butrus Eben Halim lebte 1978 mit seiner Frau Samira in einem südlichen Vorort von Paris. Er arbeitete an einem streng geheimen Projekt, bei dem es um den Bau eines Kernreaktors zur zivilen Nutzung für den Irak ging, an dem sich Frankreich beteiligte. Der Mossad wollte mit Halim Kontakt aufnehmen und ihm nukleare Geheimnisse entlocken, natürlich ohne sich als Geheimdienst zu erkennen zu geben. Und damit er möglichst keinen Verdacht schöpft, sollte Halim selbst dazu gebracht werden, den Kontakt zu suchen.

Während der Woche nahm Halim täglich den Bus an derselben kleinen Haltestelle mit wenig Wartenden, um sich zur Arbeit zu begeben. Im August bemerkte er eine blonde Frau mit erotischer Ausstrahlung in enganliegenden Hosen und knapp geschnittener Bluse, die seit einer Woche ebenfalls jeden Tag an der Haltestelle wartete. Sie wartete jedoch nicht auf den Bus. Täglich kam ein gepflegt gekleideter Mann in einem roten Ferrari angeflitzt und brauste mit der hübschen Frau davon.

Eines Tages wurde Halims Bus durch einen «Zwischenfall» kurz aufgehalten, als ein Peugeot vor ihm aus einer Parklücke in den Verkehr einscherte, und der zweite Bus, der an dieser Haltestelle hält, traf vor dem Ferrari ein. Zuerst hielt die Frau Ausschau nach dem roten Flitzer, dann zuckte sie mit den Schultern und stieg in den Bus.

Kurz darauf tauchte der Ferrari auf und der Fahrer hielt Ausschau nach der Blondine. Als Halim dies bemerkte, rief er ihm zu, dass die Frau den Bus genommen habe. Der Mann bedankte sich und fragte Halim, wohin er müsse. Selbstverständlich musste der Brite «Jack Donovan», als welcher sich der israelische Geheimagent Ran S. ausgab, in dieselbe Richtung. Der Fisch hatte angebissen.

Wie Ostrovsky erklärt, war dies für den Mossad ein Glücksfang. Ein Teil der «Operation Sphinx», die am 7. Juni 1981 spektakulär endete, als israelische Jagdflugzeuge aus amerikanischer Produktion den irakischen Kernreaktor Tamuze 17 (oder Osirak) bei Tuwaitha ausserhalb von Bagdad zerstörten. Das Bombardement lief unter dem Namen «Operation Opera» oder auch «Operation Babylon».

Ob auf persönlicher oder auf institutioneller Ebene: wer manipulieren will, kennt die Schwächen der Menschen und hat ein Gespür für leichte Opfer. Gesunde Vorsicht und Skepsis sind ratsam. Wenn Triebe oder Emotionen – wie zum Beispiel Angst – mit im Spiel sind, ist es nicht immer unbedingt der beste Weg, dem Bauchgefühl zu folgen. Doch manchmal eben schon. Diese Entscheidung jeweils richtig zu treffen, kann im Leben ausschlaggebend sein.

Herzlich

Konstantin Demeter

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