20. März 2022 - Christian S. Rodriguez

Verbundenheit in schweren Zeiten

Herrschen tut, wer die öffentliche Meinung in der Hand hat. Schwere Zeiten also für wahrheitsliebende und wahrheitssuchende Menschen. So darf Wikileaks-Gründer Julian Assange nun doch nicht vor das höchste britische Gericht ziehen. Diese Woche hat der Supreme Court von England und Wales den Antrag von Assanges Anwälten abgelehnt.

Auch in Deutschland herrscht ein ruppiges Klima für alle, die der offiziellen Wahrheit widersprechen: Die Münchner Aktivistin und Reporterin Miriam Hope soll das Land verlassen haben, angesichts zahlreicher Gewalt- und Morddrohungen.

Sie fügt sich damit in eine illustre Reihe: Ken Jebsen sah sich schon im vergangenen Frühling gezwungen, wegzuziehen, aus Sorge um seine Kinder. Zuvor war «Querdenker» Bodo Schiffmann nach Tansania ausgewandert, wo es auch Roger Bittel hingezogen hat.

Die Schweiz ist bekanntlich in vielerlerlei Hinsicht netter, beschaulicher und langsamer. Ein Klima der Angst wie in Deutschland herrscht hier Gott sei dank nicht. Aber auch für Corona-Transition weht ein zunehmend rauher Wind: Diese Woche wurde unser TV-Kanal Transition TV von Vimeo verbannt. Dass uns die grossen «sozialen Medien» das Leben schwer machen, erstaunt einen nicht weiter. Womöglich aber das Ausmass.

Auf Twitter sind unsere Zugriffszahlen im Vergleich zum Vorjahr um 90 % zurückgegangen; auf Facebook dasselbe. Zensur ist ein Problem, shadowbanning ein wohl noch grösseres: Kritische Inhalte werden nicht gelöscht, sondern unsichtbar gemacht. So «schützt» man den digitalen Medienkonsumenten vor uns und vor sich selbst. Nicht, dass ihn seine Neugier noch mit brenzligen Informationen in Kontakt bringt.

Das shadowbanning ist zweifellos die demoralisierendere Form der Sabotage: Kann im Aktivisten und Journalisten aufgrund der immer geringer werdenden Resonanz doch das Gefühl aufkommen, dass seine Arbeit nicht mehr interessiert. Gelöscht oder blockiert zu werden wegen eines Nachrichtenbeitrags sendet da ein ganz anderes Signal aus: Offenbar hat man einen wunden Punkt getroffen – und höchstwahrscheinlich eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen.

Dass diese demokratiefeindlichen Machenschaften im Hintergrund zunehmen werden, damit müssen wir leider rechnen. Der Informationskrieg um die «Grosse Erzählung» hat begonnen. Es geht darum, wer überhaupt noch erzählen darf. Für den Fall, dass noch mehr digitale Stricke reissen, finden Sie uns auch auf Locals – verbinden Sie sich mit uns.

Aber wir werden nie aufgeben, uns nie entmutigen lassen. Und wenn man uns alle zusammen einschüchtert und einkerkert wie Assange – es wird immer jemanden geben, der sich an das Unrecht erinnert, der aufwacht und sich gegen die Despotie erhebt. Das ist die, gelinde gesagt, grosse Unbekannte in der Rechnung der megalomanen Kontrollfanatiker, die nun vollendete Tatsachen schaffen wollen. Es wird ihnen nicht gelingen. Ausser natürlich mit der Bombe. Aber nicht, solange es Menschen gibt.

So hat das Schicksal des Wikileaks-Gründers nie aufgehört, einen zu berühren – zumindest nicht jene Zeitgenossen, die nicht auf den Mainstream angewiesen sind, um zu wissen, worüber man sich gerade empören soll. Regelmässig finden Mahnwachen und Aktionen für Assange statt, und das weltweit.

Und wir erfahren, dass Assange und seine Verlobte demnächst im Gefängnis heiraten werden. Eine wunderbare Symbolik: Es gibt Lebenskräfte, Träume und Werte, die sich durch politische Tyrannei nicht ersticken lassen. Es gibt eine Verbundenheit zwischen Menschen, die auch Gefängnismauern zu durchdringen vermag; eine Verbundenheit, für die es kein 5G, kein Internet der Dinge und kein Internet der Körper braucht.

Davon können unsere biophilen Peiniger und herzlosen Geiselnehmer, die sich tagtäglich immer noch tiefer in Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit verstricken, nur träumen. Sollten sie auch.

Herzliche Grüsse

Christian S. Rodriguez

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