12. Februar 2022 - Christian S. Rodriguez

Politische Zweifel und demokratische Tristesse

Liebe Leserinnen und Leser, diesen Sonntag stehen in der Schweiz wieder Volksabstimmungen an. Es ist nicht so, dass ich mich besonders darauf freuen würde. Mit den Enttäuschungen der letzten zwei Jahre hat sich bei mir ein – wie soll ich es diplomatisch ausdrücken? – leichter Politikverdruss eingeschlichen.

Das beschämt mich umso mehr, weil jedes einzelne der Themen, das zur Debatte steht, es verdient hätte, dass man sich sehr eingehend damit befasst – jetzt, und nach dem Abstimmungssonntag dann umso mehr: Es geht um Medien, Medizin, Werbung und Steuern.

Aber ich zweifle derzeit ein wenig daran, dass wir inmitten dieser Jahrhundertskrise mithilfe der altbekannten demokratischen Mittel eine gerechtere Gesellschaft erreichen können. Haben wir überhaupt noch den Kopf frei, die Zuversicht, die Ehrlichkeit, die Gelassenheit, um sorgfältig und sauber über Politik und Wirtschaft nachzudenken, als wäre Corona nie gewesen oder demnächst vorbei?

Oder wie geht es Ihnen? Wie gross ist Ihr Vertrauen in Abstimmungen und direkte Demokratie heute? Ich hoffe es nicht, aber befürchte es: Vermutlich bin ich nicht der einzige ausgebrannte Stimmbürger in unserem korrekten, sauberen Alpenland.

Wie oft habe ich doch im Verlauf der «Pandemie» gehört: «Am Schluss machen die da oben ja doch, was sie wollen.» Polit-Zweifel und Demokratie-Trauer überschatten für mich diesen bedeutungsschweren Urnengang im Februar 2022.

Das soll nicht heissen, dass ich nicht klare Meinungen zu jeder einzelnen der Fragen an sich hätte! Ich schaue mir sehr genau an, welche Politiker wie argumentieren. Und die «Empfehlungen» von Bundesrat und Parlament interessieren mich nur schon, um auf dem neusten Stand hochoffizieller Heuchelei zu sein. Trotz allem werde ich also meine bescheidene Stimme ins demokratische Ungewisse abwerfen.

Ich möchte hier nur kurz das Abstimmungsthema ansprechen, das mir besonders nahegeht: die Volksinitiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot». Sie will das unnötige Leid in der medizinischen Forschung verhindern. Die umsichtige Gegenseite warnt vor «schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit von Menschen und Tieren», vor «Zweiklassenmedizin» etc.

Denken Sie mal über die «Errungenschaften» der Gesundheitspolitik oder über die Anliegen der Pharma-Konzerne in den letzten Jahrzehnten nach. Und entscheiden Sie selbst. Wissen wir nicht allmählich, was uns krank macht? Wer uns krank macht? Könnten wir es nicht inzwischen wissen?

Ist Gesundheit wirklich so ein kompliziertes biomedizinisches Rätsel? Wissen wir immer noch so wenig darüber, was wir brauchen, um gesund zu sein und gesund zu bleiben? Und falls wir es immer noch nicht genau genug wissen: Müssen wir dieser Frage wirklich immer noch mehr unschuldige Lebewesen opfern?

Herzliche Grüsse

Christian S. Rodriguez

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