13. März 2022 - Christian S. Rodriguez

«Menschenfreunde» bis zur Selbstzerstörung

«Wieso gibt es immer noch Krieg? Wieso ist der Mensch so blöd, dass er immer noch Krieg führen muss? Wieso schaffen wir es nicht, in Frieden miteinander zu leben?» Solche und ähnliche Fragen höre ich derzeit wieder oft in Gesprächen. Und darauf ebenso oft diese «Antwort»: «Der Mensch ist schlecht. Der Mensch ist unfähig, in Frieden zu leben. Der Mensch ist die schlimmste Spezies, die es gibt auf der Welt.»

Ich bin nun wirklich nicht jemand, der misanthropische Gedanken nicht nachvollziehen könnte. Aber all diese Gedanken sind falsch. Offensichtlich sind die allermeisten Menschen gegen Krieg, und fähig und willens, friedlich miteinander umzugehen.

Doch leider gibt es da noch das berüchtigte eine Prozent, bestehend aus psychopathischen Machtmenschen und Multimilliardären, Geheimdiensten, dem militärisch-industriellen Komplex, der gigantomanischen Finanzunterwelt. Und die narzisstisch-gestörten und korrupten Claquere in Regierungen, Grosskonzernen, Zentralbanken, Massenmedien und Behörden, die ihnen zudienen.

Diese Leute wollen Krieg. Sie haben ein Interesse an militärischen Auseinandersetzungen, genauso wie an Pandemien und anderen Katastrophen. Für sie läuft alles wie geschmiert: Die Rüstungsindustrie jubelt, die Waffenexporte top, die Ablenkung von innenpolitischen, weltwirtschaftlichen und medizinisch-pharmakologischen Ärgernissen maximal.

Die Panikmedien in Höchstform, die Politiker sowieso, der kleine Mann auch: Wieder wissen alle, was sie tun oder lassen sollen bzw. wie sie sich positionieren müssen, um zu den «Guten» zu gehören. Wer «gut» sein will, trägt Maske und findet Putin blöd. Wer noch «guter» sein will, trägt mindestens FFP2 und boykottiert russische Produkte. Wer zu den «Gutesten» gehören will, trägt auch an unter freiem Himmel zwei oder drei Masken übereinander, hetzt gegen Russen und spricht ihnen das Menschsein ab.

Wenn Sie vermuten, dass ich diese Denklogik in die Nähe einer gewissen Infantilität oder Debilität rücken will, so haben Sie mich durchschaut. Bei Corona-Wahn und Putin-Wut herrscht derselbe Mechanismus: je extremer, desto besser. Überbot man sich doch in den letzten zwei Jahren in Politik und Massenmedien mit Forderungen nach immer noch strengeren und drastischeren Pandemie-Massnahmen.

Profilieren konnte sich der Härteste, denn immerhin signalisierte er damit, so richtig gründlich Covid-Tote zu verhindern und insbesondere «Alte» retten zu wollen. Koste es was es wolle! Ist so einer nicht ein Menschenfreund? Ist das nicht ein besonders «Guter»? Aber todsicher doch. Also rechtfertigt der Zweck alle Mittel.

Ich fand diese Entwicklung umso befremdlicher, als der common sense in unseren Breitengraden doch immer so gern von «Leben und leben lassen» plauderte und sich mit diesem oberflächlich-billig zurechtgelegten Motto jahrelang aus unangenehmeren Verantwortungszusammenhängen und problematischeren Diskussionen zu verabschieden pflegte.

Doch dieselbe unheilvolle Dynamik nimmt nun erneut Fahrt auf: Je grösserer Menschenfreund desto eifrigerer Russlandhasser. Als wäre diese Dynamik bei Corona – wo uns das ultimative Pharmageddon des Spritzenterrors erst noch erwartet – nicht schon selbstzerstörerisch genug gewesen, fordert und begrüsst der wirklich wahrhaftige, «scharfe» Menschenfreund heute noch offensiver, selbstloser und todesmutiger unser aller Untergang:

Atomschlag, Weltkrieg, Wirtschaftskollaps, Zusammenbruch der Nahrungsmittel- und Energieversorgung – kein Opfer scheint gross genug zu sein, um es dem Diktator Putin heimzuzahlen und «sich solidarisch mit der Ukraine zu zeigen».

Die Geschichte reimt sich mittlerweile so schnell, dass das Kurzzeitgedächtnis vieler Nachrichtenkonsumenten kaum Schritt halten kann: Andernfalls würde es ihnen auffallen, wie die Extremismus-Spirale der «Guten» wieder durchdreht. Die seit der ersten Minute angestrebte öffentliche Russophobie ist totalitär, totalitaristisch und total: der Feind ist nicht nur Putin; zu einem No-Go werden auch russische Produkte, russische Künstler, russische Literatur, russische Sportler, der Putin-Versteher auf Facebook und vielleicht sogar der Russe von nebenan – das Problem ist ü-ber-all.

Ähnlich wie das Virus rund um die Uhr omnipräsent war: auf den Oberflächen, in der Luft, an den Tieren, in den «sozialen Medien». In den Schulen, in den Restaurants, in den Fitnesscentern, in der Kulturbranche. Die diskursive Ausgangslage ist wieder dieselbe: Soll nur ja kein Bereich des Lebens nicht vom Ukraine-Konflikt berührt werden. Die Angst, die Abscheu, die Verunsicherung sollen alles umfassen, alles durchdringen, niemand soll sich entziehen können.

Immerhin: Durch den Krieg in der Ukraine scheint Demonstrieren wieder salon-, pardon, ich meine: strassenfähig geworden zu sein. Obwohl ich vermute, dass die Teilnehmerzahlen bei diesen Friedensdemos um dieselbe Grösse multipliziert werden, wie die Teilnehmerzahlen bei Corona-Demos dividiert werden.

Der Hoffnungsschimmer: Mehr Menschen könnten durch diesen schrecklichen Konflikt wachgerüttelt werden und anfangen, sich für Frieden und stabile Verhältnisse einzusetzen. All jene, die sich nicht von der Kriegstreiber-Propaganda mitreissen lassen, werden möglicherweise ein umso klareres Bewusstsein und eine grössere Wertschätzung dafür entwickeln, was gute Formen der Zwischenmenschlichkeit, gelingende Kooperation, konstruktiven Dialog ausmacht. Und anfangen, sich im Alltag in friedlichem Miteinander und echter Solidarität zu üben.

Herzliche Grüsse

Christian S. Rodriguez

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