26. August 2022 - Konstantin Demeter

Journalistische Fallen

Objektivität kann nur die des Autors sein und ist daher subjektiv, auch wenn er eine Wochenschau schneidet. Andrej Tarkowskij

Guten Journalismus zu betreiben ist nicht einfach. Vielleicht das Schwierigste dabei: möglichst objektiv zu sein. «Möglichst», weil es keine absolute Objektivität gibt. Wir alle sind zwangsläufig seit der Kindheit von Einflüssen geprägt, die unsere Gedanken uns unser Urteil beeinflussen. Doch man kann versuchen, sich von Vorurteilen möglichst weit zu entfernen.

Das ist mir in meinem Newsletter über Pädophilie und Pädosexualität bei den Pfadfindern nicht wirklich gelungen. Obwohl ich sowohl positive wie negative Rückmeldungen erhalten habe, möchte ich deshalb nochmals darauf eingehen und die Gelegenheit nutzen, journalistische Fallen anhand meines eigenen Textes aufzuzeigen.

Wie ich erwähnte, wollte ich in meiner Jugend nicht zu den Pfadfindern gehen, weil mir die Uniformierung und die hierarchische Struktur nicht behagten. Kurzum: Ich verspüre seit meiner Kindheit eine tiefe Abneigung gegenüber den Pfadfindern. Diese Abneigung ist offenbar sehr stark in meinen Beitrag eingeflossen.

Daraus haben sich weitere Fehler ergeben. So habe ich zwar am Anfang darauf hingewiesen, dass Leser, die ihre schönen Pfadi-Erinnerungen nicht trüben wollten, den Newsletter nicht lesen sollten – und damit impliziert, dass viele Menschen bei den Pfadfindern gute Erfahrungen gemacht haben. Doch ich hätte auch explizit schreiben sollen, dass die meisten Menschen keine solche schlechten Erfahrungen machen. Dies trifft denn auch für die meisten Leser zu, von denen ich negative Rückmeldungen erhalten habe.

In diesem Sinne war auch die Verbindung zwischen den vielen abgeurteilten Fällen von Pädophilie und Pädosexualität in den USA und der Pfadi-Bewegung in Deutschland und der Schweiz etwas unglücklich.

Wenngleich es sich um dieselbe Bewegung handelt, so sind es doch unterschiedliche Organisationen mit unterschiedlichen Strukturen. Die «Pädophilen-Epidemie» bei den Boy Scouts of America kann nicht mit den bekannten Fällen in Deutschland und der Schweiz verglichen werden, wegen der ganz anderen Dimension und Tragweite. Dennoch gibt es auch bei uns Fälle von Pädosexualität, wie dieses Beispiel aus der Schweiz ebenfalls zeigt.

Vermutlich wäre der Beitrag besser als Meinungsartikel erschienen und nicht als Newsletter. Wie Sie sehen, lernt man nie aus. Ich hoffe, Sie wissen das als Leser der Transition News zu schätzen.

Herzlich

Konstantin Demeter

0 0

Newsletter

Beiträge
Loading the player...
13.06.2024
Loading the player...
31.05.2024
Loading the player...
30.05.2024
Loading the player...
27.05.2024
Loading the player...
25.05.2024
Beiträge-Archiv

Schreiben Sie einen Kommentar

© Copyright 2024 - TransitionTV

Netiquette

Die Kommentare dienen als Diskussionsplattform und sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird. Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels oder wo angebracht an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Persönlichkeitsverletzende und diskriminierende Äusserungen hingegen verstossen gegen unsere Richtlinien. Sie werden ebenso gelöscht wie Kommentare, die eine sexistische, beleidigende oder anstössige Ausdrucksweise verwenden. Beiträge kommerzieller Natur werden nicht freigegeben. Zu verzichten ist grundsätzlich auch auf Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen), wobei die Online-Redaktion mit Augenmass Ausnahmen zulassen kann.

Die Kommentarspalten sind artikelbezogen, die thematische Ausrichtung ist damit vorgegeben. Wir bitten Sie deshalb auf Beiträge zu verzichten, die nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun haben.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Unzulässig sind Wortmeldungen, die

  • Nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommerzieller Natur sind
  • andere Forumsteilnehmer persönlich beleidigen
  • einzelne Personen oder Gruppen aufgrund von Rasse, Ethnie oder Religion herabsetzen
  • in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • verächtliche Abänderungen von Namen oder Umschreibungen von Personen enthalten
  • mehr als einen externen Link enthalten
  • einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu

Wir handhaben die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Online-Redaktion behält sich jedoch vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Es besteht grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.