16. März 2022 - Konstantin Demeter

Geviertelte Gesellschaft

Erneut herrscht Spaltung. Zwei Jahre lang wurde die Gesellschaft in Befürworter und Gegner der Covid-Massnahmen gespalten. Nun wird sie weiter fragmentiert, in Befürworter der russischen und der westlichen Position.

Das spiegeln zum Beispiel die Reaktionen auf meine Newsletter zum Ukraine-Konflikt wider. Für die einen bin ich «Putin-Versteher», für die anderen zu kritisch gegenüber den Russen. Wiederum andere gehen mit mir einig. Meinen Kritikern möchte ich sagen, dass «verstehen» nicht gleichbedeutend ist mit «befürworten». Und Kritik an der russischen Führung bedeutet nicht, dass ich deren Position nicht nachvollziehen kann.

Als Mensch und als Journalist kann und will ich zuerst einmal keinen Krieg gutheissen. Krieg ist immer ein Verbrechen und verursacht Leid. Doch gibt es gerechtfertigte Kriege? Widerwillig muss ich feststellen: Ja, wenn sie tatsächlich ein noch grösseres Leid abwenden oder stoppen. Das «tatsächlich» ist dabei ausschlaggebend, denn angeblich grössere Leiden sind oft der Vorwand, um einen Krieg zu beginnen.

In der Ukraine hat der Krieg allerdings nicht erst vor drei Wochen begonnen; er findet seit langen acht Jahren statt. Die russische Invasion kam nicht aus heiterem Himmel, wie die westliche Propaganda kolportiert. Man spekuliert, ob Putin unter einem Gehirntumor oder «Long Covid» leidet. Letztere Hypothese beinhaltet gleich drei Manipulationen: die angeblich neue Krankheit «Covid», dessen angeblich lange Version und die Auslassung jeglicher Vorgeschichte des Ukraine-Konflikts.

Neben der «Entmilitarisierung» und der «Entnazifizierung» als Ziele der russischen Invasion wurde kürzlich ein drittes aufs Parkett gebracht: die Verhinderung eines nuklearen Krieges der NATO gegen Russland. Ob die Behauptung indes zutrifft, können wir nicht beurteilen. Wenn ja, könnte man argumentieren, dass die Invasion gerechtfertigt war. Allerdings könnte es auch sein, dass die Invasion genau das ist, was die USA und die NATO wollten – um entsprechend gegen Russland vorzugehen.

Bis dato hält sich die NATO zum Glück zurück. Sie ist sich bewusst, dass die vom ukrainischen Präsidenten Selenskyj geforderte Flugverbotszone einer Kriegerklärung der NATO gegenüber Russland gleichkommen würde – und das Risiko eines Nuklearkriegs in sich birgt. Ob sie das will oder nicht, ist eine andere Frage.

Zu berücksichtigen ist dabei, dass ein Nuklearkrieg nicht zwangsläufig die gesamte Erde in die Luft sprengen würde, denn es gibt auch «kleine» taktische Nuklearwaffen. Der langfristige Schaden für das lokale Leben kann dennoch schlimm sein – und das potential zur Eskalation ist enorm.

Bezüglich der Menschen, die nun auf den Strassen lauthals nach einer Flugverbotszone schreien, kann ich nur sagen: Sie wissen nicht was sie tun. Ob ich ihnen allerdings vergeben werde, hängt vom weiteren Verlauf des Konfliktes ab. Ich bin ja auch nicht Gott.

Klar ist jedoch: Sie hätten die letzten acht Jahre protestieren sollen, gegen den Terror der ukrainischen Streitkräfte gegenüber der eigenen Bevölkerung im Osten des Landes. Denn das hätte eventuell dazu beigetragen, eine russische Invasion abzuwenden – und die Bevölkerung nicht weiter zu spalten.

Herzlich

Konstantin Demeter

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