01. August 2022 - Konstantin Demeter

Gebärende Männer und verwirrte Kinder

«Was willst du werden, wenn du gross bist?». Es sei noch nicht so lange her, da meinten Erwachsene bei dieser Frage den Beruf, stellt der US-Satiriker Bill Maher fest. Was er impliziert: Heute meinen sie oft das Geschlecht.

So suggeriert eine vom Schweizer Bundesamt für Gesundheit finanzierte Broschüre für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren, dass das Geschlecht frei wählbar ist. Wer sich nicht wohlfühle mit dem Geschlecht, das ihm «bei der Geburt zugeteilt wurde», könne «eine trans Person» sein.

Die Broschüre löste Ärger aus, nicht zuletzt, weil darin auch Sextoys vorgestellt werden: Dildos, Vibratoren und «Anal Plugs». In einer Interpellation kritisierte die Schweizer Nationalrätin Verena Herzog, dass darin die Themen Transsexualität und sexuelle Vielfalt «unverhältnismässig stark in den Vordergrund gerückt» werden. Die Schülerinnen und Schüler würden dazu aufgefordert, «ihre Geschlechtsidentität und ihre sexuelle Orientierung zu hinterfragen.»

Was als eine berechtigte Forderung für die Akzeptanz von homosexuellen Menschen und solchen, die sich mit ihrem eigenen Geschlecht nicht wohl fühlen begann, ist zu einem ideologischen Konstrukt geworden, das zunehmend die Gesellschaft und die Sprache durchtränkt und immer skurrilere und gefährlichere Blüten treibt:

58 «Geschlechter» bietet Facebook für Benutzerkontos an; Professoren bekommen Probleme, weil sie sich weigern die entsprechenden Pronomen zu benutzen; Jungs müssen manchmal als Mädchen gekleidet in die Schule und umgekehrt; Spermien sollen nicht als aktiv und Eierstöcke als passiv oder die männlichen und die weiblichen Sexualorgane als komplementär bezeichnet werden; eine Frau riskiert drei Jahre Haft wegen der Aussage, ein Mann könne keine Mutter sein; gebärende Männer gibt es denn auch; stillende ebenfalls – in diesem Fall erfolglos. Die bärtige Mutter, ein Trans-Mann, liegt daneben. Das Kind ist unerwartet – da schlug die Natur der Identität und den Hormonen ein Schnippchen.

In den letzten zehn Jahren ist der Anteil der US-Amerikaner, die sich als LGBT identifizieren, sprunghaft angestiegen. Heute liegt dieser bei unter 30-Jährigen bei etwa 20 Prozent. Dabei ist homosexuelles Verhalten weit weniger schnell gewachsen als die «LGBT-Identität».

Bestimmt erleichtert die Akzeptanz solche «Comingouts», doch es ist auch denkbar, dass die von Erwachsenen gestreuten Zweifel die Verwirrung erst auslösen. So oder so, manche könnten nicht mit ihrem Geschlecht ein Problem haben, sondern mit der Erwartungshaltung der Gesellschaft gegenüber diesem. Die Stereotypen von Mann und Frau hat die Jugend seit den 1960-er Jahren zwar weitgehend aufgelöst, dennoch sind sie mancherorts noch sehr ausgeprägt.

Wenngleich sie das «Gendern» unterstützen, kommen zum Beispiel Mainstream-Fernsehmoderatoren oft im spröden, dunklen Anzug daher, der einzige Farbtupfer ist eventuell die Krawatte, neuerdings noch die Socken. Manche Moderatorinnen sehen hingegen aus, als wären sie von einem Hochzeitstorten-Konfiseur mit einer Obsession für Rosarot ausgestattet worden.

Ein weiterer Grund für das Unwohlsein könnten Traumen sein: Sexueller Missbrauch und Gewalt – vielleicht sogar in der Familie –, eine fehlende Mutter- oder Vaterfigur, Mobbing in der Schule oder im Netz, usw. Und Kinder sind sehr beeinflussbar: Wenn Geschlechtsumwandlungen im Trend sind und Erzieher die Unsicherheit gegenüber dem eigenen Geschlecht und den entsprechenden Gesellschaftlichen Erwartungen fördern, lassen sich Kinder leicht verleiten.

Kinder können noch nicht so gut wie (manche) Erwachsene zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. Und ein wesentlicher Teil der Wachstumsjahre eines Menschen besteht gerade aus dem Finden der eigenen Persönlichkeit und Identität und deren Positionierung in der Gesellschaft. Dazu gehören auch Rollenspiele. Bill Maher wollte als Kind Pirat werden. Er meint dazu:

«Zum Glück nahm mich niemand ernst und legte einen Termin für die Entfernung eines Auges und einer Holzbein-Operation fest.»

Ich würde anfügen: Wenn die Begeisterung anhält, könnte man ergründen, worauf sie genau beruht und «Bill» gegebenenfalls auf Berufe hinweisen, die mit Seefahrt oder dem Meer allgemein tun haben.

Wenn ein Kind hingegen dem anderen Geschlecht zugehören möchte, werden heute eventuell Pubertätsblocker angeboten, später eben chirurgische Eingriffe. Doch wie soll ein Mensch entscheiden, ob er tatsächlich sein Geschlecht «ändern» will, wenn er sein natürliches noch gar nicht entwickeln und damit Erfahrungen machen konnte? Die Macher von Regenbogenportal.de stellen sich diese Frage offenbar nicht, denn dort heisst es:

«(B)ei trans* Kindern droht der Körper sich in eine Richtung zu entwickeln, die nicht die gewünschte ist. Es stellt sich die Frage, ob medizinische Massnahmen wie etwa ‹Pubertätsblocker› oder andere Hilfsmittel notwendig sind, damit sich Ihr Kind mit seinem Erscheinungsbild wohl fühlt.»

Doch Pubertätsblocker haben zahlreiche Nebenwirkungen, und die Kenntnisse über die langfristigen sind begrenzt, da die Medikamente erst seit 1993 zugelassen sind. Was man weiss, verheisst allerdings nichts Gutes, denn Pubertätsblocker hemmen den Knochenaufbau.

Die mehr als 10’000 Berichte über unerwünschte Ereignisse nach Einnahme des Medikaments Lupron, die bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht wurden, reichen von Gelenkbeschwerden bis hin zu Osteoporose mit gebrochener Wirbelsäule.

Bleibt die Frage, aus welchem Grund diese Ideologie so vorangetrieben wird. Eine Hypothese: Nach der Zerstörung der Dorf- und Quartiergemeinschaften, der Grossfamilie und zunehmend auch der Kleinfamilie, geht es nun unter anderem darum, den Menschen einer der letzten Halte zu nehmen: die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht.

Indem den Kindern auch dieses Fundament unter den Füssen weggezogen wird, werden sie noch verwirrter und somit zu einer Tabula Rasa, die nach Belieben beschrieben werden kann, sprich indoktriniert – noch mehr als bis anhin.

Herzlich

Konstantin Demeter

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