13. November 2021 - Christian S. Rodriguez

Empfindsamkeit und Liebesmüh

Wie argumentiert und diskutiert man mit Leuten, die die bisherige Corona-Politik gutheissen?

Heute möchte ich erneut einer Frage nachgehen, die ich bereits in einem früheren Beitrag aufgeworfen habe. Wie diskutieren mit Massnahmenbefürwortern? Wie argumentiert man mit Leuten, die die bisherige Corona-Politik gutheissen? Vielleicht sind meine Gedanken dazu eine kleine Hilfe für die Aufgeweckten, die ungebrochen Abstimmungskampf im Kleinen betreiben, nämlich im direkten Gespräch von Mensch zu Mensch.

Es ist ja perfid: Wer von Anfang an der Propaganda auf den Leim gegangen ist, konnte schrittweise dazu gebracht werden, jeden nächsten Eskalationsschritt in der Plandemie mitzugehen und als angemessen, vernünftig und Sache des «gesunden Menschenverstandes» mitzutragen.

So kommt es, dass heute nicht wenige einen Impfzwang als zielführend und verhältnismässig erachten. Manche mögen sogar einen echten Funken Bedauern darüber empfinden, dass auch einige ihrer Nächsten und Liebsten immer unverhohlener zu etwas gedrängt werden, das sie wirklich nicht wollen. Oder eben als Ungeimpfte zunehmend benachteiligt werden.

Im letzteren Fall nehmen sie es schicksalsergeben hin, dass halt auch die eigenen Freunde, Verwandten, Kinder, Eltern, «mit den Konsequenzen ihrer Entscheidung leben müssen». Es ist ja deren Entscheidung. Und diese Entscheidung ist doch immerhin freiwillig, hurra.

Es ist möglich, zu dieser Überzeugung zu kommen, sie als rechtschaffen zu betrachten – und nicht die geringste Ahnung zu haben, was daran faschistisch sein soll. Aus den Augen des Massnahmenbefürworters ist diese Haltung genuin gut – diese Einsicht muss uns meines Erachtens gelingen.

Es ist die Haltung von Grundrechteleugnern, von Verfassungsfeinden – nennen Sie es, wie Sie wollen. Aber wenn wir es ernst meinen mit Politik und Demokratie, mit Diskussion und Debatte, müssen wir verstehen, wie der Andersdenkende zu seiner Einstellung kommt. Oder genauer: zu dieser Einstellung gebracht wurde.

Jeder Mensch ist ein Universum, heisst es. Bei jedem einzelnen Menschen müsste man ergo zuerst mal sondieren, in welcher Umlaufbahn er sich geistig bewegt. Auch, wie schnell er sich bewegt. (Respektive, ob er sich überhaupt noch bewegt.) Erst dann lässt sich eine Route planen, um gemeinsam den Planeten Corona zu erkunden. Mit manchen lohnt es sich, diesen schwindelerregenden Trip anzutreten. Mit anderen schlichtweg nicht, da bleibt man besser auf dem Boden und spart sich die Antriebsenergie.

Man hat es immer wieder versucht, hat sich abgestrampelt und ist trotz bester Bemühungen dann trotzdem abgestürzt. Zu dicke Luft in der Covidsphäre. Oder zu dünne. In manchen Diskussionen hat man erst realisiert, dass sich die Auseinandersetzung nicht lohnte, als die Rakete schon explodiert war.

Es braucht natürlich schon das ernstgemeinte Interesse, grundsätzlichen Respekt und die Fähigkeit zur Reflexion auf beiden Seiten, um irgendwo hinzukommen. Man muss zumindest gegenseitig anerkennen können, dass der Andere grundsätzlich des Denkens und Empfindens fähig ist und es im Grossen und Ganzen gut meint mit seinen Mitmenschen. Alles andere ist verlorene Liebesmüh.

Ja, zum politischen Kampf gehören auch Empfindung und Liebesmüh. Denn intellektuell ist die ganze Auseinandersetzung längst zu einer Schlammschlacht geradezu galaktischen Ausmasses ausgeartet. Die Anderen dürfen also ruhig erfahren, wie wir den Corona-Trip und die drohende Verschärfung des Covid-Gesetzes empfinden. Diese Musterbriefe sind sehr hilfreich dafür: «Eine Bitte an die Geimpften» und «Schliessen wir den Pandemie-Graben». Teilen Sie sich Ihren Mitmenschen mit. Argumentieren Sie mit Herz.

Christian S. Rodriguez

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