02. Februar 2022 - Lena Kuder

Eine ignorierte Generation

Liebe Leserinnen und Leser, der Charakter eines Landes spiegelt sich darin, wie es mit seinen Kindern umgeht. In den letzten zwei Jahren hat sich gezeigt, dass sie in einigen Ländern, so auch in Deutschland, nur am Rande beachtet wurden. Immer wieder mussten Kinder und Jugendliche zurückstecken. Online-Unterricht, Wechselunterricht, Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen – die Folgen davon werden in zwanzig Jahren schmerzlich spürbar werden.

Längst sind Bildungsdefizite durch den Digitalunterricht erkennbar. Sollte es erneut zu Schulschliessungen kommen, werden diese noch grösser werden. Deutsche Lehrer waren auf den digitalen Unterricht nicht vorbereitet, das Geld aus dem Digitalpaket kam nicht schnell genug an. Die kindliche Perspektive nimmt seit jeher einen zu geringen Raum ein.

Ich betrachte es als alarmierend, dass Schweizer Psychotherapeuten und Kinderpsychologen überlastet sind und Jugendliche bis zu 40 therapeutische Einrichtungen kontaktieren müssen, um einen Termin zu bekommen.

Zugegeben, es ist ein positives Zeichen, dass die Ampelregierung plant, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Diese müssen aber an reale Schritte geknüpft sein. So sollte sich der Fokus vor allem auch auf Kinder richten, deren Eltern beide arbeiten und am Ende des Monats doch kaum einen Euro übrig haben. Auch Kinder von Alleinerziehenden und Hartz-IV-Empfängern sollten stärker berücksichtigt werden.

Der Soziologe Michael Corsten nennt die C-Generation eine «Generation in Klammern», die auf dem Wartegleis ausharren muss. Corsten gibt zu bedenken:

«Die Folgen der Corona-Pandemie betreffen die junge Generation besonders, weil im Alter zwischen 18 und 30 Jahren viele die Weichen für ihr weiteres Leben stellen: Sie beenden die Schule, ziehen von Zuhause aus, beginnen zu studieren oder schliessen eine Ausbildung ab, gründen vielleicht eine Familie.»

Doch gerade hier seien die nahen Zukunftsaussichten im Moment besonders schwer einzuschätzen. Viele Jugendliche müssen ihre Entscheidungen verschieben. Mit den Kontaktbeschränkungen können sie niemanden kennenlernen, in den sie sich verlieben könnten.

In ihrem Buch «Corona Kids» gibt die Neurobiologin Nicola Stüber Eltern Tipps an die Hand, wie sie Entwicklungsdefizite bei ihren Kindern feststellen können. «Wenn jetzt zum Beispiel einige Eltern durch die Corona-Pandemie stark gestresst sind, kann das ihre Kinder nachhaltig beeinflussen», schreibt Stüber.

«Das heisst nicht, dass es sie für immer extrem belasten wird, aber man muss es eben im Blick haben, um gegebenenfalls gegensteuern zu können. Und um zu verhindern, dass das wirklich nachhaltige Auswirkungen hat.»

Für Stüber ist klar, dass die Nachwirkungen in den Kinder- und Jugendpsychen schon jetzt programmiert sind.

Panikmache und das Schüren von Angst in den Medien haben zu viele Kinder bereits in den Brunnen fallen lassen. Felix Hofer erlebt als Arzt die Situation in den Krankenhäusern hautnah mit. Eindrücklich schildert er in seinem Buch «Corona-Wahnsinn», wie Medien, Politik und Wirtschaft die Meinung manipulieren und die Massenhysterie befeuern. Eine Pflichtlektüre für alle Eltern.

Initiativen wie «The Greater Reset» bieten Denkanstösse und Ideen für Parallelgesellschaften. Darin besteht auch eine Chance für Jugendliche. Erwachsene sollten ihnen vermitteln, dass sie sich trauen sollten, umzudenken und neue Wege zu gehen. Erwachsene können ihnen diese neuen Konzepte vorleben: weg von Individualität hin zu mehr Gemeinschaft, weniger Smart Phone und mehr smarte Bücher, weg von der virtuellen hinein in die reale Welt.

Ängste, Frust und Wut von Jugendlichen brauchen ein Ventil. Ein solches bietet der Schweizer Rapper Marty McKay. Jugendliche brauchen sichere Räume, in denen sie wahrgenommen werden. Wer weiss, ob die massnahmengeplagten Kinder in zwanzig Jahren eine kulturelle Revolution starten. Es wäre doch eine optimistische Perspektive, wenn im Jahr 2044 eine Generation von bewussten, kritischen Geistern die Geschicke von Ländern – oder noch besser von Parallelgesellschaften – lenkt.

Herzlich,

Lena Kuder

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