15. August 2022 - Lena Kuder

Die besseren Gurus

«Mens sana in corpere sano» – «In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist», eine Weisheit, die in der heutigen Zeit unbedingt ernstgenommen werden sollte. Beim Thema Gesundheit scheiden sich vor allem in der westlichen Welt die Geister. Da sind die einen im Yogawahn, andere, die ständig im Fitnessstudio schwitzen, sich über Klippen boldern, 50 Kilometer pro Tag rennen oder für den nächsten Triathlon trainieren. Superfood, Biogemüse, Fastenkuren mit Glaubersalz und Magenverkleinerungen sind angesagter denn je.

Der Mensch strebt nach Gesundheit, doch das Gesundheitsbewusstsein ist bei jedem anders ausgeprägt. Die westliche Schulmedizin ist in stärkerem Masse darauf ausgelegt, Symptome zu bekämpfen; Gesunderhaltung und Prävention spielen eher eine Nebenrolle. In der traditionellen chinesischen Medizin geht es dagegen eher darum, den gesunden Menschen als ein harmonisches Ganzes von Körper und Psyche zu begreifen. Der Mensch steht gemäss dieser Tradition im Einklang mit sich selbst und seiner Umwelt.

Ob ein Mensch erkrankt oder ein Leben lang gesund bleibt, hängt ganz entscheidend vom ungestörten Fluss der Lebensenergie ab, die alle Körperfunktionen reguliert. Eine langfristige Beeinträchtigung des energetischen Gleichgewichts des Organismus führt zu Defiziten, Füllezuständen oder Blockaden, die sich in Form von Erkrankungen äussern können. Die verschiedenen chinesischen Heilverfahren zielen darauf, den inneren Energiefluss wiederherzustellen, Störungen auszugleichen und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und zu stärken.

Hierbei bedient sich die traditionelle chinesische Medizin besonders schonender und zugleich effektiver Behandlungsmethoden, die häufig miteinander kombiniert werden. Dazu gehören Akupunktur, Kräuterheilkunde und Ernährungstherapie sowie spezielle Massagen und Bewegungstherapie.

Einen solchen ganzheitlichen Ansatz bietet auch die ayurvedische Medizin. Der Mensch wird in sieben Typen unterteilt, die sich wiederum aus den drei Doshas Vata, Pita und Kapha zusammensetzen. Jedem der einzelnen Doshas werden dabei spezielle Eigenschaften zugesprochen. Vata steht für Bewegung, Pitta für Energie und Kapha für Struktur. Bei Ayurveda wird im Gegensatz zur traditionellen Medizin auf viele Facetten des Menschen eingegangen, sei es psychisch, physisch, spirituell oder emotional. Versucht wird, den ganzen Körper und dessen Doshas in Balance zu halten.

Um die innere Balance aufrechtzuerhalten, stellen die nach der ayurvedischen Heilkunde lebenden Menschen ihre Ernährung auf ihre Bedürfnisse ab. Als ich 1997 nach Indien reíste, war ich fasziniert davon, wie bewusst die Menschen dort leben. Dabei möchte ich betonen, dass ich weder extreme Armut und das Kastensystem ausblenden noch das Land lediglich durch meine idealisierte westliche Brille betrachten möchte. In Indien liegt der Fokus stark auf der Spiritualität. Transzendenz spielt eine wichtige Rolle.

Ich finde, dass wir im Westen noch immer zu stark auf das Materielle, auf Leistung und Erfolg ausgerichtet sind. Extremsport, Magersucht, Drogen- und Alkoholmissbrauch sind Anzeichen dafür, dass der Mensch sein inneres Gleichgewicht verloren hat. Dabei sollten uns die letzten zwei Jahre einen Impuls dazu geben, zu überlegen, wie wir unseren Körper gesund erhalten können. Ein Blick auf andere Kulturen hilft, sich von anderen Ansätzen fernab der Schulmedizin inspirieren zu lassen.

Angst, Frust und Wut sind keine guten Lehrmeister und machen auf Dauer krank. Natur, Lachen, Tanzen und enge Freunde sind die besseren Gurus, die einem helfen, einen Silberstreif der Hoffnung am Horizont zu sehen. Helfen Sie uns mit einer kleinen Spende dabei, dass dieser Silberstreif sichtbar bleibt.

Herzlich,

Lena Kuder

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