04. Januar 2022 - Christoph Pfluger

Der Preis der Zuversicht

Liebe Freundinnen und Freunde, mit einem Text zum Jahreswechsel möchte man Zuversicht verbreiten. Und es gibt Zuversicht! Aber ihr Preis ist dieses Jahr so hoch wie noch nie seit 67 Jahren – das ist die Zeit, die ich in etwa überblicke.

Zuversicht entsteht, wenn man weiss, was geschieht, was zu tun ist, wenn man die Fähigkeiten dazu entwickelt und eine Entscheidung fällt. Wer es nicht wagt, der Realität ins Auge zu blicken, kann sich nur von Illusionen und frommen Wünschen ernähren. Und die haben den Nährwert des Champagners, den wir in der Sylvesternacht entkorken. Schon am nächsten Tag herrscht Katerstimmung.

Dann doch lieber den Blick auf das Unmögliche werfen und vielleicht zu einer echten Erkenntnis gelangen. Eine unangenehme Wahrheit war noch immer besser als eine bequeme Illusion.

Natürlich kann uns die Natur, ein kleines Vergnügen und eine schöne Begegnung etwas ablenken vom schwierigen Gang der Dinge. Aber er ändert sich dadurch nicht; er erscheint uns nur etwas erträglicher. Aber er bleibt unerträglich.

Nun denn, was ist der Stand der Dinge? Seit zwei Jahren drücken uns die Einen – sehr erfolgreich – eine Pandemie aufs Auge, die es nicht gibt. Die Schäden sind gewaltig: Misstrauen, Spaltung, Entmenschlichung, Not und Verzweiflung. Noch nie dagewesene Impfschäden und unbezahlbare Schulden, die uns mit der Präzision einer atomaren Zeitbombe unter sich begraben werden.

Währenddessen versuchen wir andern, den Albtraum von uns fernzuhalten, bei Sinnen zu bleiben und ein Leben wieder zu erlangen, das es nur noch in der Erinnerung gibt.

Aber, liebe Freundinnen und Freunde: Es ist uns nicht gelungen. Wir haben zwar ein paar Organisationen aufgebaut, Demos auf die Beine gestellt und Hoffnungen genährt. Aber gemessen an der Aufgabe haben wir nichts erreicht. Die Pandemiewalze rollt unerbittlich voran, die Rassentrennung scheint von einer Mehrheit gewünscht.

Wir müssen ganz nüchtern erkennen: Es hat uns voll erwischt. Wir glaubten, wir könnten die kollektive Vernunft schon wieder herstellen, wenn wir nur seriös informieren, Unterschriften sammeln, Plakate aufhängen und auf grossen Plätzen Druck machen. Weit gefehlt.

Und jetzt bricht angesichts unseres Unvermögens Streit aus. Die Illusion der Einheit vor dem gemeinsamen «Feind» zerbricht. Die menschlichen Mängel treten in brutaler Offenheit zutage.

Ein schlagendes Beispiel – und leider nicht das einzige – sind die Freunde der Verfassung. Anstatt ihren 25’000 Mitgliedern nach der Abstimmungsniederlage mit frischen Ideen neuen Mut zu machen, ist der Vorstand zerstritten und gespalten.

Kritische Stimmen wie Michael Bubendorf werden eliminiert, während gute Mitarbeiter degradiert werden oder von sich aus das schlingernde Schiff verlassen. Der für die sozialen Medien zuständige Mitarbeiter wurde ins Postbüro versetzt, während sein Job an eine offensive Werbeagentur vergeben wurde. Die Beziehung zur community ist Propaganda-Aufgabe, wird man sich wohl gesagt haben.

Gleichzeitig wurden die Inhalte des Chats der Regioleiter, wo sich Unmut zeigte, weitgehend gelöscht. Offenbar ist man der Überzeugung, dass Probleme gelöst werden können, indem die Diskussion darüber unterbunden wird.

Unwahrheit in den eigenen Reihen ist ungefähr das Schlimmste, was uns in dieser Zeit passieren kann. Dann doch lieber ein paar harte Diskussionen im offenen Austausch und die unangenehme Erkenntnis, das vielleicht doch nicht alles so gut zusammenpasst, wie es in der Euphorie des gemeinsamen Einsatzes erscheint.

Die Missstände sind nach meiner Wahrnehmung so tiefgreifend, dass ich schweren Herzens beschlossen habe, den Vorstand bis zum 3. Januar – dann findet eine «Mediation» statt – zum Rücktritt aufzufordern, damit die dringend erforderliche demokratische Erneuerung endlich möglich wird. Ich tue dies im übrigen als Privatmann, unter meinem eigenen Namen und mit offenem Visier.

An diesem Tiefpunkt der Geschichte beginnt auch die Zuversicht zu wachsen. Denn die Freunde der Verfassung sind ohne Zweifel unser stärkstes Pferd im Stall. In keinem Land der Erde hat eine Gruppierung des Pandemie-Widerstandes prozentual eine so hohe Mitgliederzahl und so viel politische Potenz wie die Verfassungsfreunde in der Schweiz.

Und in keinem Land der Erde hat sich eine so wichtige Vereinigung ein so konstruktives Ziel gegeben, wie die Freunde der Verfassung. Ich weiss es, weil ich bei der Gründung dabei war, um es mal so auszudrücken.

Das Ziel der Freunde der Verfassung war es von Beginn an,
den Widerstand von der Strasse in ein politisches Gefäss zu holen und daraus eine konstruktive Kraft der demokratischen Erneuerung für die Schweiz zu machen. Es war uns von Anfang an klar, dass die Pandemie den Beginn einer grundlegenden Krise darstellte, die in Kaskaden über die Gesellschaft hereinbricht.

Man kann das gestalterische Potenzial eines solche Ereignisses allerdings nur mit einer vorausschauenden Politik nutzen. Wer im Krisenmodus verharrt, hat ständig mit Problemen zu kämpfen, deren Lösung erst noch erfunden werden muss. Man muss sich also auf das Übernächste vorbereiten, einen Plan entwickeln und Konsens erreichen.

Woraus besteht nun die Zuversicht für das kommende Jahr? Oder anders gefragt: Was müssen die Verfassungsfreunde jetzt tun?

  1. Sich neu erfinden: sich in Sektionen mit eigenen Organen und eigenen Mitteln organisieren und das enorme Potenzial an der Basis zur Entfaltung bringen.
  2. Den freien Gedankenaustausch fördern und eine konfliktfähige Diskussionskultur entwickeln. Gegenseitiges Lernen, Schwarmintelligenz und Konsens gibt es nur im Multipack mit freier Meinungsäusserung.
  3. Die verschiedenen Gruppierungen zusammenbringen und die wachsende Konkurrenz in eine freie Kooperation transformieren. Das Neue kann nur entstehen, wenn wir das Klima des Mangels und der Missgunst überwinden.
  4. Den Kampf gegen Regierung und Behörden in ein Engagement für eine nächste Schweiz umwandeln. Natürlich wenden wir uns gegen die Pandemisten. Aber in erster Linie sind wir für Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit.
  5. Neue Formen des konstruktiven zivilen Widerstands entwickeln, die auch von den andern positiv wahrgenommen werden. Mut ist ansteckend. Wir wirken durch das persönliche Beispiel der 25’000 Verfassungsfreunde im Land.
  6. Eine Wahlplattform erarbeiten, um Mitgliedern und Unabhängigen den Einzug in die Institutionen zu ermöglichen, von den Kommissionen in den Gemeinden bis in die eidg. Räte. Die Verfassungsfreunde sind nicht die Gegner des Staates, sondern die Seele der Eidgenossenschaft. Sie gehören in die Mitte der Gesellschaft und verhalten sich auch so.
  7. Direkte Selbsthilfe unter den Mitgliedern ermöglichen und stärken. Je weniger die staatlichen Organe die Probleme lösen können, desto stärker müssen die zivilgesellschaftlichen Vereinigungen werden.

Alle diese Punkte können ohne Verzug und mit wenig Aufwand an die Hand genommen werden. Man muss einfach die Einstellung ändern – und da und dort vielleicht das Personal.

Deshalb bin ich zuversichtlich. Ich glaube, wir sind lernfähig sind und erkennen, dass wir den Gegner nicht mit seinem Waffen überwinden, sondern mit der Kraft der Menschlichkeit. Das Schöne daran: Wir alle verfügen über diese Kraft.

Auf die Wahrheit, die Gemeinschaft und die Liebe zur Schweiz,

Christoph Pfluger
Herausgeber Corona-Transition

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