22. April 2022 - Lars Ebert

Der Endsieg ist nah!

Ich bin es leid, dass manche Menschen alles schlecht machen. Klar, es gibt ein paar kleine Problemchen auf der Welt. Aber die Technik weiss doch für alles eine Lösung!

Wenn man sich von Industrienahrung ernährt, kann man später ein paar Pillen einwerfen und ein paar Operationen vornehmen lassen. Wenn man durch Lockdown und Pandemie-Wahn Angst vor Menschen hat, versprechen Netflix und immer naturgetreuere Sexpuppen Linderung. Wenn der Schadstoffgehalt in der Muttermilch zu hoch ist, gibt es unbelastete Milch aus dem Labor. Wenn Kinder und Jugendliche immer mehr psychische Probleme bekommen, gibt es Psychopharmaka.

Klar, so ein Krieg ist natürlich nicht so toll. Vor allem so nah. Aber welche Chancen es jetzt gibt! Endlich wird die marode deutsche Bundeswehr mal wieder ordentlich auf Vordermann gebracht, für läppische 100 Milliarden.

Auch andere zukunftsweisende Schritte können endlich vollzogen werden – Corona sei Dank: Gentechnik am Menschen, pardon: mRNA–basierte Therapeutika, die «Wunderwaffen für ein gesundes Leben» (Der Spiegel). Das hilft bei Krebs, Allergien, Herzinfarkt und Demenz. Ehrlich!

Ausserdem gute Nachrichten für die Umwelt: Energie wird so teuer, dass arme Schlucker bald auf Pferdewagen umsteigen und im Winter frieren müssen. Tut denen mal ganz gut, das härtet ab. Es gibt ja schliesslich wichtigeres als Lebensqualität! Äh, was war das nochmal genau?

Ach ja: Der Endsieg. Nein nein, nicht falsch verstehen, wir wollen doch politisch korrekt bleiben! Es geht um den ewigen Wettkampf gegen die Natur! Der Sieg des Menschen steht unmittelbar bevor!

Bisher sah es nicht sonderlich rosig aus: Der Mensch muss irgendwann sterben. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es immer noch nicht. Dieses ganze Chaos in den Urwäldern, da gehört mal ordentlich aufgeräumt! Da gibt’s ja immer noch Tausende Arten, die noch gar nicht katalogisiert sind.

Aber es gibt Fortschritte: Da entstehen jeden Tag weitere schöne und aufgeräumte Flächen, auf denen Rinder grasen können. Rinder sind gut, die kann man essen. Und die bleiben schön auf ihrem eingezäunten Stück Land und protestieren nicht.

Womit wir beim Menschen wären. Da gibt es ja immer noch einige, die haben gewisse Grundlagen nicht begriffen. Die protestieren, wollen ihr «altes» Leben zurück, wollen bezahlbare Nahrungsmittel, Freiheit, Demokratie, Gemeinschaft, ein Dach über dem Kopf und, und, und.

Jetzt ist mal Schluss mit utopischen Forderungen!

Lange genug sind wir Menschen von der Natur beherrscht worden. Früher konnte man wenigstens noch glauben, dass der Mensch im Zentrum des Universums steht. Heute wissen wir – blöde Wissenschaft – dass weder die Erde, noch unser Sonnensystem, noch unsere Galaxie im Mittelpunkt stehen.

Wir sollen nichts Besonderes sein? Ich soll nichts Besonderes sein? Oho, da habe ich aber noch ein Wörtchen mitzureden! Wir werden es der Natur schon zeigen! Vielfach wurden Gott und die Natur ja gleichgesetzt. Wenn einer starb, hiess es, das war Gottes Wille. Damit ist jetzt Schluss.

Gewisse ausgeleierte Körperteile kann man schon länger ersetzen, das ist Standard: Augenlinsen, Hüftgelenke, schlaffe Brüste. Jetzt kommt endlich das Gehirn dran. Schnittstellen zwischen Gehirn und Computer (Brain-Computer Interfaces) gibt es bereits.

Und wenn wir genügend Daten über die Gedanken und Gefühle der Menschen gesammelt haben, können wir mit künstlicher Intelligenz und Gentechnik endlich den berechenbaren Menschen erschaffen.

«Wir werden lernen, wie man Körper, Gehirne und Bewusstsein konstruiert (…) Durch die Manipulation von Organismen könnten Eliten die Macht erlangen, die Zukunft des Lebens selbst neu zu gestalten.»
(Yuval Harari)

Natur und Vielfalt, Gefühle und Hoffnung brauchen wir dann nicht mehr. Dann sind wir Gott. Endlich!
(Nicht wir alle, natürlich. Nur wenige sind auserwählt.)

Herzlich

Ihr Lars Ebert

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