18. Mai 2022 - Lena Kuder

Beflügelte Seelen

Als das 7. US-amerikanische Kavallerie-Regiment am 29. Dezember 1890 die Sioux-Siedlung Wounded Knee erreichte, schlachteten die Soldaten alle ab, die ihnen in die Quere kamen. Ohne Ausnahme fielen dem Massaker Kinder, Frauen, Alte und Krieger zum Opfer, 300 wehrlose Sioux-Indianer. Das Massaker sollte als eines der schlimmsten in die amerikanische Geschichte eingehen. Es hat den Widerstand der indigenen Bevölkerung in den Dakotas gebrochen.

In Westernfilmen der 1960er Jahre werden Indianer als wild und unzivilisiert dargestellt, der weisse Mann dagegen als klug, zivilisiert, stark und heroisch. Den Weissen ging es darum, Land zu erobern, um es zu besiedeln und nach ihren Regeln Getreide anzubauen; ganz im Gegensatz zu den Sioux, die behutsam in die Natur eingriffen und Tieren einen hohen Respekt zollten.

Bei den meisten nordamerikanischen Indianern war der Glaube an übernatürliche Kräfte stark ausgeprägt. Hinter jeder Naturerscheinung, ob Wind, Regen, Blitz oder Donner, sahen sie eine höhere Macht in Form von Geistern. Die Indianer glaubten, dass alle Lebewesen und unbelebten Dinge eine Seele hatten.

Zwischen Pferd und Indianer herrschte eine ganz besondere Symbiose. Es ging nicht darum, das Tier zu dominieren. Stundenlang beobachteten die Indianer die Pferdeherde, um ihren Körperausdruck und ihre Sprache zu verstehen. Die Seele eines jeden Tieres und einer jeden Pflanze spielt im Leben der Indianer eine Rolle.

Das Massaker von Wounded Knee liegt 130 Jahre zurück. Ich sehe darin ein Mahnmal, das uns vermeintlich hochzivilisierte Menschen darauf hinweist, uns nicht vermessen über die Natur und andere Menschen zu erheben und der Seele mehr Beachtung zu schenken. Es ist erschreckend, dass einige meinen, der Mensch sei ein rein biologisches Wesen, eine Anhäufung von Molekülen und Zellen. Für sie existiert keine Seele.

Diese Denkweise bildet den hervorragenden Nährboden für die transhumanistischen Ideen eines Klaus Schwab. Auch beim Thema Organspende-Gesetz ist das jeweilige Menschenbild entscheidend. Die Buchautorin Julia Onken hat im Interview mit Transition News gesagt, dass sie sich aus mehreren Gründen gegen dieses Gesetz ausspreche, unter anderem weil die Seele nach dem Tod eine gewisse Zeit brauche, um sich vom Körper zu lösen. Für mich ergibt das Sinn.

Nun haben die Schweizer am 15. Mai für das Transplantationsgesetz gestimmt und damit einen Paradigmenwechsel markiert. Wer nach (oder besser: während) seinem Tod keine Organe und kein Gewebe spenden will, muss dies ausdrücklich festhalten. Es ist zu hoffen, dass Ausländer, die nicht gut Deutsch sprechen, und ältere Menschen ausreichend darüber informiert werden und ihre «Bestandteile» nicht unfreiwillig hergeben.

Unfreiwillig haben sich Kinder und Jugendliche bereits während der vergangenen zwei Jahre der Masken- und Testpflicht beugen müssen. Patricia Marchart und Georg Sabransky nehmen in ihrem Dokumentarfilm «Eine andere Zukunft» die Folgen der Corona-Massnahmen für junge Menschen in den Fokus. Zwei Jahre lang haben Kinder lediglich als gefährliche Virenschleudern gegolten. Die kindliche Seele ist darüber verhärmt. In diesen Zeiten ist es wichtig, die Seele eines jeden Lebewesen zu erkennen, auch um einander wieder näherzukommen und uns besser zu verstehen.

«Die alten Dakota waren weise. Sie wussten, dass das Herz eines Menschen, der sich der Natur entfremdet, hart wird. Sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht vor allem Lebendigen und allem, was da wächst, bald auch die Ehrfurcht vor dem Menschen absterben lässt. Deshalb war der Einfluss der Natur, die den jungen Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger Teil ihrer Erziehung.»

Luther Standing Bear, Häuptling der Oglala-Lakota-Sioux

 

Herzlich,

Lena Kuder

 

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