17. Oktober 2022 - Lars Ebert

Atombombe? Müsliriegel kaufen und eine Mulde suchen

Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren Albert Einstein

Corona war ja weiss Gott schon heftig. Aber jetzt ist die Menschheit offenbar komplett irre geworden. Ich bitte um Verständnis dafür, dass dieser Text etwas zornig und drastisch ist, ich bin auch nur ein Mensch.

Da gibt es die Fussballergebnisse – und nahtlos anschliessend Meldungen wie: «So könnte der Westen auf einen Atomangriff reagieren» oder «Im Falle einer Atombomben-Explosion: So verhalten Sie sich richtig».

Neben der Empfehlung, «ein paar Müsliriegel» vorrätig zu haben, gibt es zum Beispiel den folgenden Tipp:

«Erfolgt der Atomangriff, während man sich im Freien befindet, soll man sich so gut wie möglich schützen und flach auf den Boden legen. Ist eine Mulde oder ein Graben in der Nähe, dann sucht man dort Deckung.» (Focus)

Alles klar. Mulde. Bin ich froh, dass es die Leidmedien gibt. Sonst wäre so ein Atomkrieg echt gefährlich. Na, jetzt weiss ich ja, was zu tun ist. Dann noch ein bisschen Fussball und ein Bier, Prost!

Und weiter:

«Nach einem Atomschlag würde das Leben beinahe neu beginnen. Mit einem stabilen Messer, einer kleinen Säge, vielleicht ein paar Nägeln und Draht kann man zumindest einige Dinge fürs eigene Überleben basteln.» (Focus)

HALLO?!! Tickt ihr noch ganz sauber??? Habt ihr zumindest mal ein Video von einer Atomexplosion gesehen?

Diese korrupten Vollpfosten, deren Aufgabe es ist, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden – und die das unter Eid geschworen haben –, faseln von Präventivschlag, Atomkrieg, Armageddon und simulieren einen Atomangriff.

Und geben uns dann noch Ratschläge!!! Wir sollen einen Waschlappen benutzen, kalt duschen, eine Mulde suchen und Müsliriegel kaufen! Wisst ihr, wo ihr euch Waschlappen und Müsliriegel hinschieben könnt?

Aber vielleicht bin ich ungerecht. Unsere Sorgen und Ängste werden ja durchaus ernst genommen. – Zitate aus den alten Medien:

«So gelingt der Umgang mit der Angst vor einem Atomkrieg» (Welt)

«Wir alle haben unsere eigenen Ängste. Manche Menschen fürchten sich vor öffentlichen Auftritten, andere vor Wasser, wieder andere vor einem Atomkrieg. Ganz gleich, welche Angst Sie haben, es ist wichtig, sie zu verstehen.» (Therapeutennews)

Aha. Verstehen. Und durchatmen:

«Wie können Sie also mit der Angst vor einem Atomkrieg umgehen? Erkennen Sie an, dass Sie nichts tun können, um einen ausgewachsenen Atomkrieg zu verhindern. Atmen Sie durch und konzentrieren Sie sich darauf, Ihr Leben so normal wie möglich zu leben.» (Therapeutennews)

Gegen die Atombomben kann man nichts machen; die kommen von einem anderen Stern. Aber wenn du jetzt Angst vor ihnen hast, musst du ruhig atmen und therapeutisch an dir arbeiten!

Nein, muss ich nicht! Ich will keine Tipps, wie ich trotz dieses ganzen Irrsinns weiter «normal» funktionieren kann! Ich will, dass dieser Irrsinn aufhört!

Die Leute machen sich in die Hose bei einem Virus mit der Sterblichkeitsrate einer heftigen Grippe, tragen bald auch als Fussgänger Helm – und beim Thema Atomkrieg? «Naja, hab ich schon Angst, gell. Aber was will man machen? Die da oben werden’s schon richten.»

Ja genau, «die da oben» haben ja auch alle bisherigen Kriege verhindert. Da kann man echt Vertrauen haben. Die sind so vernünftig und weise.

Und so ein Krieg hat ja auch seine guten Seiten. Normalerweise geht man ja nach einem Krieg durch so ein Land und denkt sich: «Jau, das sieht ja echt besser aus jetzt, als vor dem Krieg, echt hübsch! Und die Leute sind so glücklich!»

In den Bombenkratern kann man Fischteiche anlegen, und rauchende Ruinen sehen ja in der Abendsonne recht idyllisch aus. Natürlich gibt es immer Unzufriedene und Nörgler: «Schluchz, meine ganze Familie ist gestorben, ich habe nur einen Arm gefunden! Und jetzt sind wir alle verstrahlt und bekommen missgebildete Kinder!»

Stellt euch nicht so an! Nehmt euch mal ein Beispiel an Japan! Da waren nach Hiroshima und Nagasaki auch viele verstrahlt und haben missgebildete Kinder bekommen. Und? Die haben trotzdem Atomkraftwerke gebaut. Alles prima, Fukushima.

Tja, die Jüngeren wissen nicht, was ein Krieg ist. Damals gab es noch keine Drohnen und attraktive Influencierende, die das gefilmt haben. Sind eigentlich Begebenheiten, die vor TikTok und Instagram passiert sind, überhaupt passiert?

Ich habe eine Anleitung für die diejenigen, die den Krieg nicht kennen – auch nicht aus Erzählungen der Grosseltern. Und die – vielleicht nach jahrelangen Ballerspielen vom Sessel aus – jetzt endlich mal spüren wollen, was Krieg wirklich bedeutet:

Nehme eine Axt und hacke dir ein Bein und ein paar Finger ab, stecke dir einen grossen Feuerwerkskörper in den Mund, zerstöre im Keller eine Gasleitung, warte einen Moment, und zünde dann den Feuerwerkskörper an.

Leute, wir leben nicht mehr zu Zeiten der Neandertaler! Damals war es vielleicht sinnvoll, sich hinter dem stärksten und aggressivsten Führer zu versammeln, um die Hyänen oder Wölfe zu vernichten.

Wenn wir hingegen diesen aggressiven grossspurigen Psychopathen – in Ost und West – heute weiterhin folgen, riskieren wir die Vernichtung der Menschheit! Wir kämpfen nicht gegen Hyänen! Im Krieg kämpfen Menschen gegen Menschen!

Ich weiss nicht wie es Ihnen geht, aber mir reichen zwei Weltkriege. Und eins kann ich Ihnen versichern: So ein Atomkrieg ist gar nicht gut fürs Klima. Und ob es dann noch Wasser oder ein intaktes Gesicht für den Waschlappen gibt, ist auch fraglich.

Herzlich

Ihr Lars Ebert

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